Zur aktuellen Situation des Kurt Tucholsky Literaturmuseums in Rheinsberg und seiner Zukunft
Meldung aus RheinsbergDas Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum ist das einzige Tucholsky-Museum in Deutschland, es wurde vor 34 Jahren im Schloss Rheinsberg eröffnet. Seitdem ist die Stadt Rheinsberg Träger dieses national bedeutsamen Museums, das auch international Beachtung findet.
Das Museum wird vom Landkreis Ostprignitz-Ruppin und vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg gefördert. Dreiviertel der Personal- und Sachkosten trägt jedoch die Stadt Rheinsberg, die trotz schwieriger Haushaltslage - mit dem Stadtverordneten-Beschluss-Nr.: BV-0474/23 vom 24.07.2023 unterliegt die Stadt einem freiwilligen Haushaltssicherungskonzept - nach Wegen sucht, die Zukunft des Museums zu sichern und das Haus im Sinne Tucholskys als literarischen Begegnungsort im Geist von Toleranz und Verständigung lebendig zu halten.
Im Rahmen der Haushaltskonsolidierung wurde 2023 zwar beschlossen, das Kurt Tucholsky Literaturmuseum und die Tourist-Information Rheinsberg zu einem neuen Fachamt zusammen zu führen, Teil dieses Prozesses war aber immer auch die Überzeugung, dass es notwendig ist, schrittweise zu analysieren, wie das Museumsteam nach dem Ausscheiden des im März 2024 in den Ruhestand eingetretenen Museumsleiters Dr. Peter Böthig neu aufgestellt werden muss, um den selbst definierten hohen Ansprüchen des Kurt Tucholsky Literaturmuseums Rechnung zu tragen. Nachdem mit Zustimmung der Stadtverordneten im September 2024 entschieden wurde, die neue Amtsleiterstelle beginnend ab 1. Januar 2025 mit Ellen Krukenberg neu zu besetzen, setzten auch die Überlegungen ein, wie eine Neuausrichtung des Museums-Teams notwendig und wünschenswert ist.
Um die Betreuung der Sammlung, den laufenden Museumsbetrieb und die damit verbundenen Aufgaben zu gewährleisten und Kapazitäten zu schaffen, die Dauerausstellung schrittweise zu aktualisieren, hat die Stadt Rheinsberg für das Kurt Tucholsky Literaturmuseum im April 2025 die Stelle eines literaturwissenschaftlich-künstlerischen Projektmanagers ausgeschrieben. Diese Stelle konnte nun besetzt werden und am 15. Juli 2025 wird Peter Graf in dieser Funktion das Museumsteam verstärken. Ein Schwerpunkt seines Wirkens liegt neben der Bewältigung des laufenden Museumsbetriebs künftig darauf, Ressourcen zur personellen Stärkung des Museumsteams zu erschließen und eine zeitgemäße Museums- und Ausstellungskonzeption zu entwickeln.
Der vielfach ausgezeichnete Publizist und Verleger Peter Graf (u.a. Deutscher Verlagspreis, Berliner Verlagspreis) hat in den zurückliegenden dreißig Jahren für viele namhafte Verlage gearbeitet, seit 2010 ist er selbstständiger Verleger. Er hat einen engen Bezug zu Kurt Tucholsky und dessen Schaffen. Schwerpunkt der publizistischen Tätigkeit von Peter Graf war bisher das Wiederveröffentlichen von Romanen, Tagebüchern und Sachbüchern aus der Zeit der Weimarer Republik und aus dem Bereich der Exilliteratur. Etliche der von ihm wiederentdeckten und neu herausgegebenen Bücher wurden als „literarische Sensationen“ gewürdigt und zu internationalen Bestsellern. Peter Graf kennt sich mit Literaturarchiven und Sammlungsbeständen bestens aus. Denn dort recherchierte er bislang nach vergessenen Autorinnen und Autoren und deren Manuskripten, um sie heutigen Lesern zugänglich zu machen. Viele der durch Verfolgung und Vertreibung vergessenen deutschsprachigen Schriftstellerinnen und Schriftsteller entstammten dem Umfeld Kurt Tucholskys und dem „Weltbühne-Kosmos“. Peter Graf ist mit der Literatur und den literarischen Stimmen jener Epoche bestens vertraut. Zudem ist er sehr gut im deutschsprachigen Literaturbetrieb vernetzt und verfügt über exzellente Kontakte zu Verlagen, Medien, Autorinnen und Autoren sowie zu anderen relevanten Akteuren. Als studierter Kulturmanager - er absolvierte ein diesbezügliches Masterstudium an der Universität Basel - bringt er zudem weitere Qualifikationen mit, die für seine zukünftigen Aufgaben hilfreich sind. Die Stadt Rheinsberg freut sich deshalb sehr, dass sie ihn als neuen Museumsmitarbeiter gewinnen konnte.
In den letzten Wochen sind leider diverse Fehlinformationen im Zusammenhang zur weiteren Zukunft des mit dem Kurt Tucholsky Literaturmuseum in die Öffentlichkeit gelangt. Diese Fehlinformationen möchten wir hiermit korrigieren. Bereits 2023 wurde damit begonnen, Verhandlungen zu einer möglichen Übergabe des Museums in die Trägerschaft des Landkreises OPR umzusetzen. Dies scheiterte zunächst an einer nicht umsetzbaren Vertragsgestaltung. 2024 wurde auf Beschluss der neugebildeten Stadtverordnetenversammlung eine Arbeitsgruppe Tucholsky Literaturmuseum gebildet, um den dauerhaften Erhalt des Museums zu ermöglichen. Mitglieder aller Fraktionen und der stellvertretende Bürgermeister wirken in dieser Arbeitsgruppe mit. Vertreter der Arbeitsgruppe trafen sich im Juni 2025, um mit Vertretern des Landekreises Ostprignitz-Ruppin in einen konstruktiven Austausch zum weiteren Vorgehen zu treten. In der letzten Arbeitssitzung wurde vereinbart, dass die bereits bestehende Bewertung der Sammlung um den Bereich der getätigten Zuschüsse zu den einzelnen Exponaten erweitert werden soll.
Die nächste Zusammenkunft der Arbeitsgruppe wird noch im Juli 2025 stattfinden. An diesem Tag soll entschieden werden, ob die Sammlung veräußert werden kann oder als Dauerleihgabe an den Landkreis übergeben wird. Ansprechpartner bezüglich inhaltlicher Dinge aus der Arbeitsgruppe sind der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung Wilfried Schmidt und der 1. Stellvertreter Andreas Endler sowie der stv. Bürgermeister der Stadt Rheinsberg Herr Geist.
https://www.tucholsky-museum.de/museum/publikationen.html











