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Das Rheinsberger Zeitungswesen

Zeitungskopf

Im vorigen Jahrhundert erreichte die Entwicklung des Zeitungswesens auch die kleineren Städte unserer Region. Während bereits 1822 der "Ruppinsche Anzeiger" in Neuruppin erschien, dauerte es in Rheinsberg noch bis 1884, als das erste Lokalblatt veröffentlicht wurde. Der Heimatforscher Erich Goßmann hielt 1971 fest, daß der Herausgeber der Buchdrucker (und nach einer anderen Quelle auch Uhrmacher) Heick war. Die "Rheinsberger Zeitung - Organ für Rheinsberg, Zechlin u. Umgebung" erschien mittwochs und sonnabends und umfasste vier Seiten: Der Sonnabend-Ausgabe war das "Illustrirte Sonntags-Blatt" beigelegt. Anzeigen wurden auch in Flecken Zechlin und Dorf Zechlin angenommen. Im Juli des Folgejahres gab es bereits einen Besitzerwechsel. Martin Schulz führte den Betrieb einige Jahre, musste dann aber wegen wirtschaftlicher Probleme aufgeben.

1891 gab es offenbar einen neuen Versuch, eine Zeitung zu gründen. Bruno Paetsch berichtet in seinen Memoiren von einem Herrn Rübesam aus Berlin, der im Seitenflügel des "Deutschen Hauses" eine kleine Druckerei einrichtete. Doch auch diesem Unternehmen war kein Erfolg beschieden.

Reklame am Haus Königstr. 5

Nur der aus der Nähe von Prenzlau stammende Carl Thurmann schaffte es, einen funktionierenden Verlag aufzubauen, der bis zum Zweiten Weltkrieg bestand. Im Alter von 25 Jahren begann er 1894 in der Königstraße (heute Königstraße) mit der Produktion der "Rheinsberger Zeitung". Noch heute schimmern am Eckgebäude Nr.5 die Reste der alten Werbeschrift. Dort befand sich die Druckerei, bis Thurmann am Markt ein Grundstück neben dem Ratskeller kaufte.

Die Gazette erschien dreimal wöchentlich: dienstags, donnerstags und sonnabends. Artikel mit überregionalen Schwerpunkten füllten die ersten der vier Seiten. Aus Berlin wurden dafür die bereits fertigen Druckplatten geliefert. Auf den letzten Seiten folgten Nachrichten aus dem Kreis und aus dem Raum Rheinsberg ("Lokales, Provinzielles u. Vermischtes"). Hier hatten die Gewerbetreibenden die Möglichkeit, ihre Verbraucherhinweise zu platzieren, aber ebenso inserierten Wohnungssuchende, Arbeitswillige oder ehrliche Finder.

Die "Rheinsberger Zeitung" vertrat eine eher konservative Richtung. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass in den 20er Jahren das alte monarchische Stadtwappen, der Adler mit Krone, Zepter, Reichsapfel und den Buchstaben "FW" (Friedrich Wilhelm I.), im Zeitungskopf erschien. An dieser Gestaltung hielt man auch fest, nachdem Rheinsberg das Wappen 1929 offiziell abgeschafft hatte.

Im Geschäftshaus am Markt befand sich vorn der Laden, in dem auch Berliner Zeitungen erhältlich waren. Außerdem stellte der Verlag Carl Thurmann verschiedene Bücher und Broschüren, Ansichtskarten, Briefbögen, Visitenkarten und vieles andere her. Auf der Hofseite war die Druckerei untergebracht. Am Eingang in der Kirchstraße konnte man abends die Ausgabe für den nächsten Tag erwerben, wie sich eine Rheinsbergerin erinnert. Ausgetragen wurden die Blätter ebenfalls am Abend, oft von Arbeitern der Steingutfabrik.

1938 starb Carl Thurmann. Seine Frau leitete die Firma, doch auch sie verschied ein Jahr später. Otto Richter übernahm den Betrieb und nun verließen die Zeitungen sechsmal pro Woche die Druckwalzen. 1942 erreichte Richter der Ruf der Wehrmacht, und er wurde nach Lemberg eingezogen. Am 30. Juni erschien die letzte Ausgabe. Das Konkurrenzprodukt aus Neuruppin, die "Märkische Zeitung", blieb bis 1945 bestehen und wurde in Rheinsberg von der Buchhandlung in der Schloßstraße verkauft. Kurz nach dem Einmarsch der Roten Armee gingen einige Häuser der Stadt durch mysteriöse Brandstiftungen in Flammen auf. Unter ihnen war die ehemalige Druckerei am Markt.