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„Sie hat den Zweck, durch öftere Zusammenkünfte, durch gemeinsame gesellige Vergnügungen ihre Mitglieder mit einander zu befreunden, bürgerlichen Sinn zu wahren und zu heben, durch öftere Schießübungen den Schießsport zu fördern und in Zeiten der Gefahr Sicherheits- und Wachdienst nach Vereinbarung mit dem hiesigen Magistrat zu leisten."So kann man es im Statut der Rheinsberger Schützengilde von 1904 lesen. Gegründet wurde sie bereits 1845 und gehört damit zu den ältesten Vereinen der Stadt.Der Bäckermeister Hermann Läge schrieb anlässlich des 90. Stiftungsfestes 1935 eine Chronik der Gilde und trug als Vorsitzender einen großen Stapel Akten über den Schriftverkehr, die Haushaltsrechnungen, die Schießveranstaltungen u. a. zusammen, die heute einen interessanten Einblick gewähren. Am 7. September 1845 kommen 21 Rheinsberger Bürger zusammen, um die erforderlichen Repräsentanten der zu gründenden Gilde zu wählen. Im Ergebnis der Abstimmung darf sich Postmeister Betzien fortan Kommandeur nennen. Maurermeister Seiffert obliegt als Rendant die Verwaltung der Vereinskasse und Glaser Kirnberger wird zum Schriftführer bestimmt. Die Aufgaben des Ersten und Zweiten Schützenmeisters überträgt man dem Besitzer der Steingutfabrik Meyer und dem Kaufmann Thiele. Fahnenträger wird Schneider Tipold. Auch die anderen Freizeitschützen sind Rheinsberger Gewerbetreibende. Zu den Ehrenmitgliedern gehören der Justizrat, der Oberförster, sowie zwei Prediger. Entsprechend den damaligen Gepflogenheiten bleibt der Schießsport den Männern vorbehalten. Aufnahmebedingung ist u. a., dass man sich verpflichtet, der Körperschaft mindestens sechs Jahre anzugehören. Im September 1845 genehmigt der Polizei-Magistrat das vorläufige Statut, und so kann am 15. Oktober das eigentliche Gründungsereignis stattfinden: das Königsschießen. Am Vortag veranstalten die Schützen einen Zapfenstreich, und am nächsten Morgen um 6 Uhr (!) werden die Anwohner des Marktplatzes von drei "Donnerschlägen" aus einem kleinen Geschütz geweckt. Drei Stunden später hat sich die Schützenkompanie vor dem Rathaus aufgereiht, Kommandeur und Bürgermeister halten ihre Ansprachen und unter Kanonendonner wird ein "Lebehoch auf den allergnädigsten König!" ausgerufen. Am Abend lädt der Gastwirt Heise zum Ball in den Ratskeller ein.

Schützenkönig

1846 bekommt die Gilde eine Fahne und eine Fahnenspitze, sowie ein kleines Geschütz gestiftet. In jenem Jahr überschattet ein tragischer Unfall das Königsschießen: Den Scheibenanzeiger trifft eine verirrte Kugel in die Kniehöhle. Zum Trost erhält der Getroffene ein freies Mittagessen, und seine Kameraden sammeln für ihn.Nicht nur beim Schießen gibt es Probleme, wie ein Sitzungsprotokoll von 1847 vermerkt: "Unter der Schützengilde sind viele Tänzer, die den bis jetzt an der Tagesordnung gewesenen Galopp nicht lieben, und wird, um diesem Uebelstand abzuhelfen, folgendes Tanzreglement festgesetzt:". Es folgen 16 verschiedene Tänze, so dass sicher für jeden etwas dabei gewesen sein dürfte.In der Zeit der Revolution von 1848 kommt der Verein den Festlegungen seines Statuts nach, indem er mit einem nächtlichen Wachdienst für die "öffentliche Ordnung" sorgt. Noch verfügt man nicht über eine eigene Schießsportstätte und so wird 1850 der Plan zum Bau eines Schützenhauses auf dem Rosenplan erörtert. Er gelangt jedoch nicht zur Ausführung, da der Kostenvoranschlag von 1000 Talern die Mittel des Vereins übersteigt.

Zur Regelung von Streitigkeiten unter den Mitgliedern, zu denen es ja trotz aller Kameradschaft kommen kann, schafft sich die Gilde 1875 ein Ehrengericht an. Es muß jedoch nur zweimal zusammentreten: wegen Verleumdung und Beleidigung.

1895 werden die Funktionen von Kommandeur und Vorsitzenden auf zwei Personen aufgeteilt. Anlässlich des 50. Jubiläums der Rheinsberger Schützengemeinschaft stiftet Kaiser Wilhelm II. eine neue Fahne. Bürgermeister Goetsch steuert einen silbernen Becher bei, aus dem zukünftig der Schützenkönig den Königstrunk genießen kann. Wer diesen Rang erreicht hat, dem werden noch weitere Ehrungen zuteil. Die Gilde präsentiert für ihn das Gewehr, ihm steht der erste Schuss beim Vogelschießen zu, bei der Tafel sitzt er "obenan" und er darf den Ball eröffnen.

Unter Bürgermeister Busch (1903-1919 im Amt) erfüllen sich die lang gehegten Hoffnungen auf eine eigene Schießhalle. Im Stadtwald wird ein Geländestreifen erworben, und 1911 beginnt die Projektierung für das Schützenhaus. Maurermeister Seiffert übernimmt den Bau und berechnet nach der Fertigstellung der "Schießhalle mit Aborten und Blenden" 10.281,73 Mark.

Festumzug, 1930er Jahre

Am Pfingst-Wochenende 1913 ist es dann soweit: Die Einrichtung wird unter Teilnahme des Stadtparlamentes, der Ehrenmitglieder, Ehrendamen, des Krieger- und des Militärvereins und der Feuerwehr feierlich eingeweiht. Zu Ehren des Bürgermeisters pflanzt man eine Eiche (den dazugehörigen Gedenkstein finden wir noch heute unweit des Gebäudes). Es stehen acht Schießstände mit Längen von 100, 175 und 300 Metern zur Verfügung.

Die Freude am neuen Heim bleibt nicht lange bestehen, da bei Ausbruch des Krieges 1914 viele von der Sportwaffe zum Armeegewehr wechseln, und das Königsschießen in diesem Jahr ausfällt.

1920 ist die Zahl der Mitglieder auf über 100 angestiegen. Bäckermeister Läge wird zum Kommandeur gewählt.

Da die Fahne in die Jahre gekommen ist, fertigen die Schützenfrauen 1926 eine neue (nun schon die dritte) Fahne an.

Das Schützenhaus erfährt eine rege Nutzung. Auch aus anderen Orten Deutschlands reisen Gilden an, um hier ihr Geschick zu testen und damit gleich einen Urlaub in der schönen Rheinsberger Landschaft zu verbinden. Ferner stellt man die Schießstände dem örtlichen Männerturnverein gegen eine Jahresgebühr von 3 RM gelegentlich zur Verfügung. Der Pächter der Gaststätte ist Karl Schütze, der für Touristen ständig ein Zimmer bereithält.

1931 übernimmt Kommandeur Läge zusätzlich die Funktion des Vorsitzenden, so daß beide Ämter nach 36 Jahren wieder personell vereint sind.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wird die Tätigkeit des Vereins verboten und das Schützenhaus enteignet.

Am 31.Oktober 1992 hat sich die Rheinsberger Schützengilde neugegründet und fand 1994 in einem ehemaligen Verbrauchermarkt eine neue Wirkungsstätte.