Sie sind hier: Verwaltung & Ortsteile / Geschichte / Feuerwehr

Geschichte der Feuerwehr

Wenn in mittelalterlichen Kommunen der Ruf "Feuer! Feuer!" ertönte, löste er bei den Menschen einen wesentlich größeren Schrecken als heute aus. Schließlich bedrohte ein Brand die Existenz eines gesamten Ortes, besonders in den eng bebauten Städten. Diese Erfahrung musste auch Rheinsberg einige Male in seiner Geschichte machen. Der letzte große Stadtbrand vernichtete 1740 den größten Teil der Häuser, die meist nur aus den erschwinglichen Baustoffen Holz, Lehm und Stroh bestanden.

 

Jeder Hausbesitzer hatte die Pflicht, sich bei Löscharbeiten zu beteiligen. Wer wollte sich dem schon widersetzen - auch das eigene Heim konnte ja jederzeit vom Feuerteufel besucht werden.

Ende des 18.Jahrhunderts waren 101 öffentliche und private Brunnen im Rheinsberger Stadtgebiet verteilt und ermöglichten überall den Zugriff auf Löschwasser. Das Spritzenhaus befand sich bis 1835 auf der Nordseite der Kirche. Da es beim Umbau der alten Schule im Weg stand, versetzte man es auf den Kirchplatz.

Mitte des 19. Jahrhunderts bildeten sich im Kreis die ersten freiwilligen Feuerwehren. Bekanntlich dauert in Rheinsberg alles etwas länger. So waren es hier die Mitglieder des Turnvereins, die sich am 18. September 1875 zur Gründung zusammenfanden, und außer dem "allabendlichen Turnen" auch die wöchentliche Übung im "Feuerschutz" ins Statut schrieben.

Nach der Stadtchronik von Karl Waase gab es 1884 Bestrebungen, eine vollwertige FFw mit 25 Männern zu bilden. Der Magistrat unter Bürgermeister Stromeyer konnte sich jedoch nicht recht zu einer Stellungnahme durchringen, und die Wehr löste sich im Folgejahr wieder auf. Stromeyers Nachfolger Henke erwies sich als progressiver Stadtvater und initiierte 1898 die erneute Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr. Sie erfreute sich eines regen Zulaufs, denn schon nach einem Monat hatten sich über hundert Kameraden gemeldet. Auch materiell waren die nächsten Jahre ergiebig. Bis 1912 gingen mehr als 3000 Mark Spendengelder ein, neue Spritzen, Wasserwagen, ein Mannschaftswagen und weitere Geräte wurden angeschafft sowie ein Steigerturm auf dem Rosenplan gebaut (1900). Eine mechanische Leiter von 1910 konnte bis in unsere Zeit hinübergerettet und restauriert werden.

Brand der Steingutfabrik 1925

Der Bau des Steigerturmes auf dem Kirchplatz begann 1914, wurde wegen des Krieges aber erst 1921 vollendet.

1920 brannte die Turnhalle der Schule aus. Die Feuerwehr konnte verhindern, dass die Flammen auf das Hauptgebäude übergriffen. Fünf Jahre später gab es einen Großeinsatz in der Steingutfabrik, deren größter Teil dem Feuer zum Opfer fiel.

Ein neuer pferdebespannter Mannschaftswagen wurde 1923 angeschafft, 1925 eine Motorlafettenspritze (die noch heute funktionstüchtig ist) und 1930 ein motorisierter Mannschaftswagen mit 12 Plätzen. Er verunglückte 1934 bei der Rückkehr von einem Waldbrand, was einen Kameraden das Leben kostete.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges sah es schlecht für den Brandschutz aus. Die Technik war fast völlig zerstört. Wehrführer Georg Relitz hatte ca. 30 Leute um sich geschart, und man improvisierte eine neue Feuerwehr. Aus dem verwaisten SS-Versorgungszug in der Kiesgrube wurde eine Motorspritze organisiert. Die Polizei beschlagnahmte von einem Fleischgroßschieber einen Opel, den man nun zum Löschfahrzeug umbaute.

Löschfahrzeug 50er Jahre

Auch Jugendliche fanden den Weg zur Wehr und übten sich im "vorbeugenden Brandschutz". Ein Brief an den DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck brachte ihnen ein Disziplinarverfahren wegen "Nichteinhaltung des Dienstweges" und der Feuerwehr ein neues Löschfahrzeug ein. Der Ausrückebereich war inzwischen auf 23 Gemeinden angewachsen.1957 gründeten die musikalischen Kameraden ihre Blaskapelle. Im selben Jahr richtete man im Gebäude an der Kirche einen Schulungsraum ein. Da die Platzverhältnisse bald an ihre Grenzen stießen, kam 1961 der Umzug in die Schlossgaragen.Ende der 60er Jahre hielt in der Feuerwehr die Gleichberechtigung Einzug, als die ersten Frauen Mitglieder wurden.In der Steingutfabrik brach am 14. Mai 1972 abermals ein Feuer aus und zerstörte eine ganze Produktionshalle. (Die Polizei ermittelte einen ehemaligen Brenner als Brandstifter.) Die Anschaffung eines neuen Fahrzeugs machte 1986, einen Um- und Ausbau des Gerätehauses notwendig. In den Neunzigern wurde die Ausrüstung durch einen "Amkus" zur Personenrettung (z. B. aus Fahrzeugen) bereichert sowie durch ein Schlauchboot und einen Bootswagen.

Wehrmitglieder 2004

Die Pläne zur Neugestaltung der Rheinsberger Plätze haben 1993 Überlegungen zum Neubau einer Feuerwache hervorgerufen. Heute leisten unter der Führung von Wolfgang Knull 10 Frauen, 33 Männer und 16 Jugendliche aktiven Dienst in der Brandbekämpfung und den vielen anderen Aufgabengebieten der Feuerwehr. Dazu stehen ihnen u. a. zwei Löschfahrzeuge, eine Drehleiter und ein Schlauchwagen zur Verfügung.Im Jahre 2003 konnte endlich die neue Feuerwache an der Menzer Chaussee bezogen werden.