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Hat weiterführende Bildung in Rheinsberg noch eine Chance?

Heinrich-Rau-Schule

Nachdem die gymnasiale Oberstufe in Rheinsberg durch das Bildungsministerium Land Brandenburg abgeschafft wurde und auch die Sekundarstufe I bedroht ist, entbrannte in Rheinsberg und allgemein im Land Brandenburg eine Diskussion um die Zukunft der Bildung in ländlichen Gebieten.

Passend dazu der Aufruf von Freke Over aus Luhme:

Die Kirche im Dorf lassen!

Eine Stadt braucht eine weiterführende Schule,  sonst verbaut sie sich die Zukunft.

Rheinsberg hat um seine Oberstufe gekämpft, aber verloren. Dürfen wir deshalb die Zukunft unserer Kinder opfern? Ich lehne das entschieden ab. Es braucht einen neuen Aufbruch. Die in Rheinsberg heute als Tatsache geschaffene Oberschule ist und bleibt selbst bei größtem Engagement der LehrerInnen eine Restschule. Der Name Oberschule sollte die Eltern und Schülerinnen darüber hinwegtäuschen. Sie sollten glauben, es ginge um die alten Oberschulen. Doch ist es nur eine aufgewertete Hauptschule, die einen erschwerten Zugang zum Abitur hat. Es ist in Wahrheit der Versuch das dreigliedrige (west-) deutsche System der Selektion zu erhalten. Nicht nur die PISA und OSZE- Studien haben es belegt, Deutschland wurde unter anderem auf diese Weise zum Bildungsentwicklungsland!

Im Bereich der Rheinsberger Bildungslandschaft gilt es, den Realitäten ins Auge zu schauen. Die Anzahl der Kinder wird absehbar in den nächsten Jahren nicht steigen. Die Zahl der Geburten liegt in den letzten 5 Jahren bei 55 – 60 Kindern pro Jahr. Das heißt 3 Grundschulklassen, zwei in Rheinsberg und eine in Flecken Zechlin.

Fast 200 SchülerInnen ab Klasse 7 fahren derzeit von Rheinsberg nach Neuruppin.  Dies gilt es, durch ein besseres Angebot in Rheinsberg zu verändern. Doch die gymnasiale Oberstufe gibt es in Rheinsberg nicht mehr. Unter diesen Bedingungen ist es äußerst schwer, für die Heinrich-Rau-Schule genügend Schüler zu werben, um sie dauerhaft zu sichern. Noch besteht die Chance, diese unbefriedigende Situation zu ändern. Ich glaube fest, dass es leichter wäre 40 –50 Kinder und ihre Eltern von einer wohnortnahen Gesamtschule zu begeistern, die den direkten Zugang zu allen Schulabschlüssen ermöglicht, als 30 Schüler für eine Oberschule zu werben. Mit Rheinsberg und Flecken-Zechlin als zwei Standorten einer kleinen Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe. Zur Zeit widerspricht dem noch das Schulgesetz, das mindestens 50 Schüler für die Sekundarstufe II fordert, doch mit 40 SchülerInnen je Abiturjahrgang wäre dies schon ab dem Jahr 2009 möglich.

Wir Rheinsberger müssen daher von der Landesregierung fordern, die
Mindestschülerstärken aufzuheben. So könnten auch bei uns 20 bis 30 Kinder zum Abitur geführt werden. Die Qualität von Bildung hängt nicht von der Größe der Schule, sondern von der Motivation und Ausbildung der Pädagogen ab. Und kleine Schulen werden nicht wirklich teurer. Untersuchungen in Thüringen beweisen, bei Miteinrechnung des Schülerverkehrs gibt es teilweise sogar Kostenvorteile.

Rheinsberg hat Potenziale für die Bildung, die es noch stärker zu nutzen gilt. Musikakademie, Kammeroper, Tucholskymuseum und natürlich ideale Vorraussetzungen für viele Wassersportarten. Nichts gegen Fußballspezialangebote. Aber man kann in Rheinsberg durchaus auch noch auf andere Ideen kommen.

Und es gilt einer anderen Realitäten ins Auge zu sehen. Durch das Ausbluten des Schulstandortes Rheinsberg sind auch die Vereine in ihrer Existenz, zu mindestens in ihrem Nachwuchs gefährdet. Ob Sportverein oder Feuerwehr, wer bis 16 oder 18 Uhr in Neuruppin ist, geht auch meist dort in die Vereine und nicht mehr in Rheinsberg. Und welche Familie, die Kinder hat, wird noch nach Rheinsberg ziehen, haben wir doch schon jetzt das umgekehrte Problem, das Rheinsberger Familien nach Neuruppin ziehen, weil ihre Kinder dort auf weiterführende Schulen kommen. Und das beschleunigt dann die Abwärtsspirale der Stadt Rheinsberg. Lassen wir es nicht so weit kommen.

Den Aufbruch wagen

Die nationale und internationale Bildungsdebatte ist lange über die real existierende Brandenburger Bildungslandschaft hinaus. Zur Zeit formiert sich an vielen stellen Brandenburgs Widerstand gegen weitere Schulschließungen, gleichzeitig beginnt auch in der Landespolitik ein Nachdenken - unser Bildungsminister dachte erst kürzlich laut über eine 10 jährige Grundschule in der Presse nach. Nehmen wir ihn beim Wort, wie das „Kind“ dann auch immer heißen wird. Fordern wir gleiche Möglichkeiten für Alle. Bildung ist ein Grundrecht! Wir brauchen die Gesamtsschule für die Chancengleichheit der Kinder im ländlichen Raum und für die Zukunft unseres Landes. Schluss mit der Selektionslogik! Jedes Kind hat ein Recht auf Bildung.

Für eine integrierte Gesamtsschule mit gymnasialer Oberstufe in Rheinsberg – Kämpfen wir darum – unsere Kinder haben es verdient!

Freke Over
Ferienland Luhme

Rheinsberg, den 16. 11. 07